Montag, 24. März 2014

Fliegen ist nicht mein Ding....

Wenn ich fliegen muss, dann spielen Hirn und Magen jedesmal total verrückt. Wenn ich alleine fliegen muss, drehen beide förmlich durch.
Nicht nur, dass ich nichts mehr essen kann, schon zwei Tage im Voraus, nein, in meinem Kopf machen sich Bilder breit von Flugzeugabstürzen, sehr detailliert, immer tödlich. An Schlaf ist nicht zu denken, ich gehe Herr G. furchtbar auf die Nerven und bringe meine Mutter mit
Sätzen: "Ich wollte mich nur verabschieden, im Falle ich nicht zurückkomme." immer vollkommen aus der Fassung.

Habe ich mich dann endlich am Flughafen geschleppt (vergleichbar wohl am ehesten mit einem Delinquenten, der zum Scheiterhaufen geführt wird), beginnt meine analytische Beobachtung und Abwägung, wie potentiell gefährlich der Flug wohl ist.
Als erstes wird das Sicherheitspersonal eine genauen Beobachtung unterzogen. Die denken immer, sie würden mich kontrollieren. In Wirklichkeit gucke ich sehr genau, wie gewissenhaft die ihren Job
machen. Wenn ich auch nur das kleinste Anzeichen von Schlapperei finde, sage ich das sofort frei heraus. Nun, die Reaktionen fallen da ganz unterschiedlich aus.... Von total angenervt bis freundlich,
wissend lächelnd (vielleicht gibt es noch mehr so Verrückte, wie mich).

Sitze ich dann am Gate, beobachte ich alle Leute, die am gleichen Gate Platz nehmen und klassifiziere sie in folgende Gruppen:
- Leute, die aussehen, als würde ein Flugzeug, wenn sie an Bord sind
sicher NICHT abstürzen
- Leute, die eine Aura des Absturzes mit sich tragen
- Potentielle Terroristen (leider macht hier meine Fantasie nie vor völlig unbescholtenen Bürgern halt, wofür ich mich hier ausdrücklich entschuldige...)

Wie ich das mache? Keine Ahnung, ich seh es einfach.

Ungefährlich ist ein Flug, wenn Leute der Gruppe 1 überwiegen. Heute ist übrigens ein Mann hinter mir ins Flugzeug gestiegen, den ich in Gruppe 3 klassifiziert hatte (sorry!), der Hemingway dabei hatte. "Cooles Ablenkungsmanöver", sagte mein Hirn... Mein Magen reagierte mit einem Anfall von Schwäche, meine Beine wollten gar nicht mehr weiterlaufen... Sieht dann immer gar nicht peinlich aus, wenn man als letzter noch am Gate steht und das Bodenpersonal freundlich fragt, ob man nicht auch endlich einsteigen will...

Im Flugzeug wähle ich immer (vor allem, wenn ich alleine fliege) einen Platz in der letzten Reihe. Meine Theorie, wenn das Flugzeug beim Absturz zerbricht, habe ich eine noch theoretische Chance zu überleben, wenn ich hinten oder ganz vorne sitze... Ganz vorne sitzt der Kapitän und der lässt mich sicher nicht ins Cockpit, Herr G. nickt gerade und denkt: "Der weiss, warum!". Also hinten....
Da sitze ich also und beobachte, wer wohl neben mir Platz nimmt.... Auf gar keinen Fall darf da jemand sitzen, der beim Start anfängt zu beten oder sich vor lauter Angst noch tiefer in den Sitz kuschelt als ich. All das macht es mir nämlich nicht gerade leicht, mich zu beruhigen.

Heute war alles gut. Eine Reihe Gruppe 1 Menschen waren am Gate. Ich hatte einen Platz ganz hinten bekommen (übrigens sinnigerweise immer am Fenster - sollte ich abstürzen, dann bitte Logenplatz), ohne Nachbar und ein sehr netter Steward, was sollte da schiefgehen.

In Heathrow angekommen, bin ich noch gefühlt einmal Zürich - London noch durch den Flughafen gerannt, immer dem Schild folgend "Bagguage Claim" folgend. Einen 50 Kilometer Parcour und zwei, drei Blasen später hatte ich tatsächlich das Gepäckband erreicht, juchu!!!! Der Koffer kam auch sofort (wen wundert's, ich war ja doch ein paar Minuten unterwegs) und dann ging das Abenteuer erst richtig los. Tube fahren in London, ja, also bis Stadtmitte kein Problem, da fährt ja von Terminal 1 nicht so schrecklich viel. Das es keinen Platz gab, ok. Das die Bahn übervoll war, auch ok. Aber dass sie dann mitten auf der Strecke ganze 20 Minuten warten musste, weil irgendwas die Gleise blockiert hat, nein, das war dann nicht mehr witzig.

Dann bist du also quasi im Herzen Londons angelangt und stehst mit deinem schweren Koffer vor so etwas scheinbar unüberwindbaren wie Treppen. Ja Himmel, es reicht nicht nur, Rolltreppen bis zur U-Bahn zu bauen, liebe Londoner. Die meisten Reisenden müssen dann mit der District Line weiter oder irgendwo aussteigen und da sind normale Treppen einfach enorm hinderlich, vor allem für Frauen, die alleine Reisen und für eine ganze Woche Klamotten mitschleppen müssen. Hat denn da noch nie jemand drüber nachgedacht???????

Aber ich bin angekommen und sitze nun in meinem Hotelzimmer, dessen Fenster dieses Mal nicht direkt an der Mauer des Chelsea Stadion grenzt (es kommt Tageslicht rein!!!) und gucke "Mama Mia".... Yeah!!!!! Die Lieder werden ordentlich aufgedreht, warte noch, bis der erste Nachbar klopft :-)

Bis hierhin ging doch mal alles gut. Warten wir mal ab, was die Woche so bringt :-)

Also dann, habt einen schönen Tag.


Liebe Grüsse,

Bea

PS: Bilder reiche ich nach, bei dem höllenschnellen Internet hier, sitze ich morgen noch.... grumml!!!!

Kommentare:

  1. So eine Geschichte zum Montagmorgen - genial!

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  2. Liebe Bea - ich wusste bisher nicht wie viel Komik in dir steckt!
    Danke für den erhebenden Bericht - du bringst mich am Montag
    schon zum Lachen - das ist unbezahlbar und ich wünsche dir
    dann mal einen Rückflug mit Leuten der Kategorie 1 - die der
    Kategorie 3 - hast du dann ja nächste Woche zur Genüge ;-)
    Deine Conny

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