Samstag, 5. April 2014

Wenn einer eine Reise tut (zweiter Teil)....

Die U-Bahn-Haltestelle habe ich leicht gefunden. Gott sei Dank hatte mir mein hilfreicher, sehr charmanter Trainer bei Canning noch eine Karte ausgedruckt und markiert, wohin ich mich zu wenden hätte, um das Hotel zu erreichen.

Ja, und da stand ich jetzt vor der pfadfinderischen Herausforderung. Ich weiss nicht, ob ihr zu den Frauen gehört, die die Karte immer in Laufrichtung drehen müssen. Herr G. bekommt dabei immer fast einen Anfall. Er steht da und schüttelt den Kopf. Klar, Männer können immer und überall sich rein nach den Himmelsrichtungen orientieren. Das ist sicher wieder eins der Phänomene, wo die arme Evolution herhalten muss.

Ich bin auch mit gedrehter Karte (nun, ich hatte sie am Anfang auch irgendwie falsch gedreht, kann ja mal passieren) mehrmals an der U-Bahn-Station vorbeigelaufen, mal von rechts kommend, mal von links, bis es mir selber schon zu peinlich wurde.
Hab mich kurz zusammengerissen, die Umgebung gescannt und dann doch endlich die Strasse gefunden, in der das Hotel sein sollte. Ich kann in solchen Augenblicken immer sehr gut über mich selber lachen....
Hm und noch mal hm, dachte ich so nach gefühlten 1 1/5 Kilometern. Gut, die Strasse hiess immer noch so, wie die, in der das Hotel hätte sein sollen, aber das Hotel kam und kam nicht. Kurz bevor ich eine Vermisstenanzeige aufgeben wollte, hab ich es dann doch gefunden.

Die Dame am Empfang strahlte mich an und meine, sie hätte für mich ein Upgrade und ich hätte jetzt ein Premium Zimmer im 10. Stock (für Leute mit Höhenangst klingt 10. Stock immer ein bisschen wie "Fallschirmsprung").... Hurra!!!!
Also rauf ins Zimmer.... Nun, wenn das, was ich da bewohnt habe, ein Upgrade war, dann möchte ich nicht wissen, wie die Standardzimmer ausgesehen haben. Denn meine Premiumunterkunft war nicht mehr als ein Schuhkarton mit Nasszelle. Gut, mag es an den zwei Kilo gelegen habe, aber in dem Bad hätte ich mich bald verkeilt....

Aber, da ich ja nur zum Schlafen da war, egal! Koffer abgestellt und los ging es zum Piccadilly. Dort hab ich dann meine Freunde getroffen und auf ging es Richtung Covent Garden durch London. Mensch, war da ein Menge los. Wenn man so wie ich im Nirgendwo lebt, dann ist es wirklich erstaunlich, wie viele Menschen abends in einer Grossstadt unterwegs sind...



Also zunächst sind wir mal ein bisschen durch Covent Garden geschlendert und haben bei Whittard halt gemacht. Dieser süsse Teeladen, der in London noch mehrere Filialen hat, hat uns im Sturm erobert. Während Jasi alle Kaffeesorten probierte, enterten Lili und ich die Tee-Bar und testeten uns durch das Angebot.

Der Verkäufer, der uns beraten hat, konnte so begeistert von seinen Tees erzählen, dass wir auch ein bisschen was gekauft haben und viel länger da waren, als gut für unsere Geldbeutel. Das obere Bild zeigt leider nur den Anfang unseres Kaufrauschs. Egal, schön wars... Für Herrn G. habe ich auch noch einen Kaffee eingekauft, einen besonders tollen Kaffee, so hat er auch was zum Freuen...

Danach ging es zum Abendessen. Leider habe ich vergessen, Bilder zu machen, wir waren einfach zu hungrig. Nach Prawns in Knoblauchsosse mit leckerem Weissbrot, Rindsfilet mit Salat und einer Tarte Tatin waren wir gut satt und müde. 

Also ging es ab ins Hotel - den Weg dorthin bin ich dieses Mal gelaufen. Nachts durch London zu streifen und die stillen Strassen geniessen, weit hinter Trafalgar und Westminster, das ist einfach nur wunderschön.

Nächster Morgen, 8 Uhr, Victoria Station, Gepäckaufbewahrung. Der Wortwechsel ging ungefähr so... 
Er:"Haben Sie den Koffer selber gepackt?" 
Ich: (nein, gewöhnlich frage ich den Nachbarn im Hotel) "Ja"
Er: "Haben Sie den Koffer nicht aus den Augen gelassen seither?"
Ich: "Nein" (obwohl, als ich vorhin noch mal schnell auf dem Klo war, stand der Koffer ganz alleine im Hotelzimmer - ob ich das sagen sollte?)
Er: "Haben Sie brennende und explosive Gegenstände dabei?"
Ich: "Nein, ich habe heute mal die Terroristenausrüstung daheim gelassen...." 

Wahrscheinlich war sein Englisch nicht gut genug, diesen Satz richtig zu verstehen :-)

Er: "Wann holen Sie den Koffer wieder ab?" 
Ich: "Gegen 5"
Er: "Macht 10 Pfund."
Ich krame also das Geld raus und will bezahlen. Da meint der doch. "Bezahlen erst bei Abholung"
Wollte er mir etwa mit dem Nennen des Preises gleich mal sagen, dass ich bitte noch 10 Pfund aufheben soll??????

Gut, Koffer war verpackt, Kaffee geholt und los ging es zum Tower of London. Yeah!!!!! Die Sonne lachte, es versprach ein ganz wunderschöner Tag zu werden und ich hatte mit Jasi und Lili endlich mal jemanden dabei, der ernsthaft interessiert an meinem Wissen war. (Herr G. pflegt an der Stelle immer zu sagen: "Schatz, es reicht, wenn du es weisst, wir müssen nicht unser beider Festplatten damit füllen....") 

Also wandelten wir auf den alten Spuren, hatten das Glück, an einer kleinen Tour in der Towner Kapelle teilnehmen zu können, betrachteten die Kronjuwelen und waren ganz verzückt von all den vielen, vielen Geschichten, die dort an jeder Ecke lauern.






Anschliessend wollten wir noch in Westminster vorbei gucken, um all den guten alten Bekannten, angefangen bei Eduard dem Bekenner, "Hallo" zu sagen. Aber was war, geschlossen. In einer Weltstadt wie London macht die bedeutendste Kirche der Stadt um 13.30 Uhr zu. Das haben die echt drauf dort!!!!

Ein bisschen frustriert sind wir dann durch den St. James Park geschlendert und haben das unglaublich tolle Wetter genossen. Nach einem kurzen Imbiss ging's noch in der Waterstone Bookstore und dieses Mal habe ich ein Buch gekauft - eins.... Was bin ich brav!





Leider war auch dann schon Zeit fürs "Tschüss" sagen. Also bin ich in Victoria in die U-Bahn, in South Kensington wieder raus, um meinen Koffer und mich zur Piccadilly Line zu schleppen, wo ich mich schon wunderte, warum nicht Heathrow an der Anzeigetafel stand.
In der Bahn sagte dann eine nette Stimme, dass dieser Zug nur bis Hammersmith verkehre, dann Busse eingesetzt werden, um die Leute nach Action Town zu bringen, wo sie dann wieder in die U-Bahn steigen könnten. Hurra!!!! Das ist ja wirklich wie ein Lottogewinn. Grosses Kino!

Und wenn man sich nun vorstellt, dass in London täglich sehr, sehr viele Menschen zum Flughafen pilgern, um in alle Teile der Welt zu fliegen, dann ist es sicher auch nicht verwunderlich, wenn ich jetzt schreibe, dass in Hammersmith an der Bushaltestelle gefühlt 1000 Menschen standen mit genau so viel oder mehr Gepäck, die alle auf den Bus warteten. 
Erst wollte ich mich vordrängeln, aber nachdem ich von der Meute bald gelyncht wurde, habe ich mich dann doch für ein Taxi entschieden. Rein in die schwarze Limousine und ganz alleine, ohne Gedränge und wutschnaubende Menschen kam ich beim Flughafen an. 

(Ich habe Leute getroffen, die aufgrund der U-Bahn-Situation ihren Flug verpasst haben und sich ein neues Ticket kaufen mussten, was sind das 50 Pfund für eine Taxifahrt....)

Da sass ich also im Flieger, eine schöne Woche hinter mir, meine Familie vor mir und dazwischen der Flug. Aber dieses Mal war es nicht so schlimm. Vielleicht lag es daran, dass ich so vertieft in mein neues Buch war, vielleicht aber auch, weil ich ja nun langsam Routine bekomme.... Wer weiss! 

Eins ist sicher, London - ich komme wieder!!!!!

Alles Liebe,

Bea

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