Sonntag, 13. Juli 2014

Kulinarische Fussball WM Reise - Deutschland

Manchmal wird man vom eigenen Leben überholt und plötzlich sind alle Pläne über den Haufen geworfen, die man vorher sorgfältig aufgestellt und für durchführbar gesehen hat.
So ging es mir doch tatsächlich mit meinen WM-Rezepte Beiträgen. Ich war gut dabei und hatte nur noch ein paar Länder vor mir, als das Leben No. 1 meine volle Zeit und Aufmerksamkeit forderte. Und so muss ich am Finaltag der Fussball WM eingestehen, ich habe ein paar Länder nicht geschafft zu bekochen. Nicht schön, aber so ist das Leben eben manchmal...

Ich hoffe, alle Bosnier, Japaner, Algerier, Uruguayer, Nigerianer und Australier werden mir vergeben. Den letzten Post anlässlich der Fussball WM widme ich natürlich meinem eigenen Land und hoffe inständig, dass wir das Finale heute Abend gewinnen und den Pott nach Hause holen!!!!

Und was kommt als Gericht für mein Heimatland in Frage? Wir sind in vielen Teilen der Welt als "Krautfresser" verschrieen und so will ich diesem Klischee nachgeben und Sauerkraut in den Mittelpunkt meines heutigen Rezeptes stellen.

Und es sei gleich vorangestellt, ich liebe Sauerkraut. Ob roh, ob gekocht, ob zu Kassler, zu Gulasch, zu Würstchen, ich esse es für mein Leben gern und sooft es geht. Normalerweise verzichte ich aber im Sommer schon darauf. Aber bei dem Regen-Herbst-Wetter seit einer Woche finde ich, es ist Zeit für Soulfood.

Sauerkraut esse ich am liebsten natürlich selber gemacht. Da aber unsere hypermoderne Wohnung über keinen vernünftig kalten Keller mehr verfügt, habe ich einfach nicht die passenden Rahmenbedingungen, das Kraut vernünftig einzulegen. Grosser Nachteil unserer modernen Zivilisation... Wer aber über einen geeigneten, kühlen Raum verfügt, kann es ja mal probieren. Ihr werdet feststellen, wie sehr sich selbst eingelegtes Sauerkraut vom Gekauften unterscheidet. Eine Cousine meines Mannes macht ihr Kraut immer selber und wenn wir dorthin in den Urlaub fahren, dann bestelle ich immer eine grosse Portion vor...

Sauerkraut sollte man am besten im November ansetzen. Für 5 kg Kohl braucht man 100g Speisesalz, Kümmel und Wacholderbeeren. Von einem festen Weisskohlkopf werden die äusseren Blätter und der Strunk entfernt. Dann wird der Kohlkopf sehr fein gehobelt.

Nun gibt man Schicht um Schicht in den Gärtopf. Jede Schicht wird mit Salz, Kümmel und Wacholderbeeren gestampft und zwar so lange, bis die Flüssigkeit die Schicht bedeckt. Diesen Vorgang wiederholt man, bis der Kohl aufgebraucht ist. Nun den Topf mit einem sauberen Leinentuch bedecken, mit einem Brett das Ganze luftdicht abschliessen und mit einem Stein beschweren.


Einmal wöchentlich sollten Tuch und Brett gesäubert werden und der durch die Gärung entstandene Schaum abgeschöpft werden.

Nach 4 - 6 Wochen ist das Sauerkraut fertig und kann portionsweise verwendet werden, für Suppen, Aufläufe, Strudel oder eben ganz klassisch als Beilage.

Ich bereite mein Sauerkraut immer gleich zu, weil mir diese Variante einfach am besten schmeckt.

500g Sauerkraut
2 Zwiebeln
4 TL Zucker
Lorbeerblätter
Pfefferkörner
Gewürznelken
Wacholderbeeren
50ml Weisswein
200ml Fond

Die Zwiebeln klein schneiden und in einem Topf dünsten. 3 TL Zucker dazugeben und das Ganze leicht karamellisieren lassen. Nun das ausgedrückte Sauerkraut dazugeben und kurz mitdünsten lassen. Da ich es nicht mal, all die Nelken und Pfefferkörner aus dem Sauerkraut zu pulen, nehme ich immer ein grosses Teesieb und packe Lorbeerblätter, Pfefferkörner, Gewürznelken und Wacholderbeeren dort hinein und hänge dieses kleine Potpourri in mein Sauerkraut. Anschliessend wird mit Wein und Fond abgelöscht. Bei schwacher Hitze ca. 20 Minuten garen.



Anschliessend abgiessen und das Sauerkraut mit Würstchen und Kartoffelpüree (natürlich mit Butter und Sahne - also wenn Soulfood, dann richtig) serviert.

Bei so einem Abendessen sehe ich dem Match heute Abend entspannt entgegen. Stimmt nicht, ich bin überhaupt nicht entspannt und darum habe ich mir auch schon die Bügelwäsche zurecht gestellt, damit ich Herr G. heute Abend nicht zur Weissglut bringe... Für alle, die ihn kennen, unvorstellbar, aber ich schaffe das :-)

Also, drücken wir unseren Jungs heute Abend ganz, ganz fest die Daumen!!!!!

Allen da draussen einen fulminanten Fussballabend.

Alles Liebe,

Bea













Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen