Samstag, 13. September 2014

Historisches, ursprüngliches und wunderschönes Schottland - Teil 2: Zwischen Burgen und Whisky

Hier nun endlich Teil 2 unserer Schottlandreise:

Wir verliessen also St. Andrews Richtung Pitlochy. Unser erster Tagesordnungspunkt an diesem wunderschön sonnigen 5. August war das in einem grossen Park gelegene Blair Castle.


Ein Besuch dort lohnt sich auf alle Fälle. Nicht nur sieht Blair Castle aus wie ein Märchenschloss, es ist auch voll mit Geschichten, Möbeln und Geschirr aus dem 18. Jahrhundert. Es ist ganz einfach, innerhalb dieser Mauern der Fantasie freien Lauf zu lassen und in das Leben vor 200 Jahren einzutauchen. Ein echtes Highlight für mich Geschichtsfanatiker.


Wir schlenderten noch ein bisschen durch den wunderschön angelegten Park und genossen die Sonne, bevor es weiter ging zum „Queens View“. Was hatten wir Glück diesen Ausblick bei so fantastischem Wetter geniessen zu dürfen. Diese Stelle, die deshalb „Queens View“ heisst, weil Königin Victoria diesen Ausblick so sehr liebte, hat den Namen mehr als verdient. 
Der Blick über den Loch Tummel ist unvergesslich, ja, man kann sagen, es hat etwas Majestätisches!


Einen Steinwurf davon entfernt befindet sich Schottlands kleinste, noch produzierende Destillerie „Edradour“. Und hier machten wir dann endlich unsere erste Whisky – Führung. Die Destillerie schmiegt sich ganz idyllisch an einen kleinen Bach und schmeichelt mit den weissen Häuschen und den roten Türen und Fensterrahmen dem Auge. Es ist ein wunderschön verträumter Ort und das man hier noch Zeit hat für den Whisky und viel Liebe in jede Flasche fliesst, dass merkt man sofort.
Die Führung wäre wirklich gut gewesen, leider hatten wir einen Guide, der mehr darauf bedacht war, sich darzustellen… Schade, denn diese kleine Destille hat viel Ursprüngliches zu bieten. Toll war, dass wir zu Beginn zwei Whiskys testen konnten und die Gläser sozusagen als Souvenir mir nach Hause nehmen durften. Die Führungen dort sind übrigens alle in Englisch.
Eine Whiskyflasche wanderte in unser Gepäck und dann mussten wir uns aber sputen, um  noch rechtzeitig nach Lynturk zu kommen – wir waren spät dran. Leider hiess das auch, Balmoral links liegen lassen, etwas, dass mir schon arg schwer fiel.



Lynturk: Lynturk ist schwer zu beschreiben… Wir wurden aufgenommen wie alte Verwandte, die zu einem Besuch kommen. Man hat sich sofort willkommen und daheim gefühlt. Veronica und John sind ausgesprochen zuvorkommende Gastgeber.
Lynturk stellt man sich am besten als typisch schottisches Cottage vor, alles ein bisschen in die Jahre gekommen und mit dem Staub der Zeit belegt, aber auf seine Weise sehr charmant.
Am ersten Abend hatten wir ein Dinner bei Veronica gebucht, die gelernte Cordon-Bleu Köchin ist. Als es also Zeit zum Dinner war, führte John uns in den Dining-Room. Auch hier hatte der Zahn der Zeit beträchtlich genagt und die Patina war überall zu erkennen. Das tat indes dem leckeren Essen keinen Abbruch. Als Vorspeise gab es eine Art Tzatztikgelee mit Toast Melba, gefolgt von Rehkeule mit Gemüse und ganzen frittierten Kartoffeln. Zum Dessert wurde selbstgemachtes Erdbeereis gereicht mit Schoko-Minz-Sosse. Als wir schon gar nicht mehr konnten, kam dann noch eine Käseplatte, mit einem für schottische Verhältnisse sehr, sehr guten Käse. Der Kaffee im Salon rundete das Dinner ab. Es war ein ganz besonderes Erlebnis.



Regen! Aus grauen, tiefhängenden Wolken goss es in Strömen. Der 6. Tag unseres Urlaubs begann in gedämpfter Stimmung.

Zuhause rumsitzen kam aber für uns nicht in Frage und so machten wir uns nach dem Frühstück auf Richtung Dunnottar Castle. Gespenstisch lag es da auf seinem Hügel in den Nebel getaucht, im grauen Licht eines schottischen Regentages. Ich würde gern noch mal bei schönem Wetter wiederkommen, obwohl diese gespenstische, nebelverhangene Stille auch etwas für sich hatte.


Aberdeen, unser nächster Halt, konnte mich nicht wirklich begeistern. Würde ich heute noch mal eine Reise durch Schottland planen, Aberdeen wäre sicher nicht auf dem Plan.

Aber was macht man an einem so verregneten Tag in Schottland? Da war doch noch was? Whisky! Richtig! Unsere Wahl fiel auf Glenlivet. Eine Führung haben wir nicht gemacht (wir waren ein bisschen spät dran), wohl aber die kleine Aussstellung besucht und zwei Malts probiert. Glenlivet ist nicht unsere Geschmacksrichtung und die Destillerie auch schon sehr gross. Aber immerhin keine Massenabfertigung.


Vor der Destillerie haben wir ausgiebig die süssen schottischen Fluschel-Wuschel-Kühe fotografiert. Die haben einen echten Jöhhhhhh-Effekt!!!! (Kommt von „jöhhhhh sind die süss“ – ein typischer Schweizer Ausrufs des Entzückends.)

Ein geeignet Restaurant zu finden für den Abend war ziemlich schwierig. Zunächst wollten wir in Duftown ins La Faisanderie, leider geschlossen. Anschliessend versuchten wir es im Kildrummy Inn, ausgebucht. Gelandet sind wir dann im Forbes Arms in Alford – naja, wir wurden satt, mehr gibt es zu  dem Restaurant nicht zu sagen.

Die Sonne strahlte wieder am nächsten Tag und wir nahmen Abschied von Veronica und John. Unser nächster Halt war The Old Kirk in Dyke. Das war mit grossem Abstand die ungewöhnlichste Unterkunft unserer Reise.

Zunächst machten wir aber mal Halt bei der Strathisla Destillerie in der Nähe von Keith. Diese Whisky-Produktion gehört zu dem weltweit bekannten Chivas Blend. Die Destillerie ist sehr alt, aber unglaublich gut erhalten, verströmt sie den Duft einer vergangenen Zeit.
Wenn man alleine vor den Gebäuden steht, die Strasse im Rücken ausblendet, kann man sie sehen, die Männer, die vor 200 Jahren den Whisky gebrannt haben…


Hier haben wir wieder mal eine Führung gemacht und die war richtig gut!!!! Unser Guide hat den Prozess des Whiskyherstellens sehr genau erklärt und mit vielen kleinen Randnotizen gespickt. Leider ist das Fotografieren dort nur eingeschränkt möglich, was der hohen Qualität der Führung aber keinen Abbruch tut.
Am Schluss gab es noch eine Verkostung mit 4!!! Verschiedenen Malts. So richtig vom Hocker gehauen hat uns keiner und so sind wir ohne Fläschen weitergefahren.

Und dann fuhren wir zu Macallan, die meinen erklärten Lieblingswhisky produzieren. Svenja kam klar zu verstehen, dass noch eine Führung nicht in Frage käme, also besuchten wir den Shop, probierten zwei Mailts, sackten eine Flasche „18 Years Old Sherry Oak“ ein (zwei Gläschen gab es obendrauf – dank Herrn G.‘s Verhandlungsgeschick) und zogen wieder von dannen. Hauptsache der Whisky war im Gepäck - juchu!!!!


Weiter ging’s nach Elgin, wo wir die Kathedrale besuchten. Obwohl von den ehemaligen Prunkbauten nur noch ein paar Fragmente stehen, ist diese Bauwerk sehr eindrücklich. Wir verweilten hier eine ganze Weile, schossen unzählige Fotos und genossen diesen wunderschönen Ort.

Da es von Elgin nicht weit zur Küste ist, entschieden wir spontan nach Lossiemonth zu fahren, um am Strand spazieren zu gehen. Das es ausgerechnet anfing wie aus Eimern zu giessen, als wir gerade am Strand ankamen, war ausgesprochenes Pech. 
Statt eines Strandspaziergangs beobachteten wir stattdessen die startenden und landenden Düsenjets am nahegelegenen Flughafen. Das hat vor allem Herr G. sehr gefallen.



Und dann kamen wir also an in der Old Kirk. HAMMER!!!!!!!! Wie der Name schon sagt, handelt es sich um eine ehemalige Kirche, gebaut im 18. Jahrhundert, wurde sie nur ca. 100 Jahr als Kirche genutzt. Im 19. Jh verwendete man sie als Lagerraum, unter anderem für Kartoffeln. 1997 wurde sie von einem Einheimischen aufgekauft und zu einem Hotel umgewandelt. Seither hatte es 3 Besitzer und jeder hat ein bisschen eigenen Stil eingebracht. Dieses Kleinod hat soviel Charme, es ist einfach bezaubernd. Diese Unterkunft lege ich jedem ans Herz, der im Raum Inverness unterwegs ist – auch wegen dem weltallerbesten Porridge!


Auf Empfehlung unserer Gastgeber gingen wir am Abend in Kimberley nach Findhorn. Sehr urig, sehr lecker, tolle Stimmung, dieses Pub ist es wirklich wert, dass man dort einkehrt. Frl. G. frönte ihrer Leidenschaft für Meerestiere und ass einen riesigen Berg Muscheln. Herr G. und ich hielten uns an Hähnchencurry – irgendwie war mir auf der Karte das Wort „spicy“ gar nicht aufgefallen. Puh!!!!
Das Wetter wurde noch wunderschön und so konnten wir bei einem kleinen Strandspaziergang die Abendsonne geniessen.

Zurück in unserer gemütlichen Behausung liessen wir den Tag im imposanten Wohnzimmer ausklingen.




Die Hälfte der Strecke ist gereist, so viel haben wir gesehen, wie es weitergeht, erfahrt ihr ganz bald.

Alles Liebe,

Bea

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen