Freitag, 19. Dezember 2014

19 Dezember - Schwarz und Weiss

Wenn wir an Heilig Abend mit vom langen Marsch geröteten Gesichtern endlich bei meiner Omi ankamen, war der Tisch in ihrer kleinen Stube schon voll mit Geschenken. Diese waren mir einem grossen Tuch meisterlich abgedeckt, keine Ecke lugte hervor. Auf der Kommode stand der Weihnachtsbaum und im Radio dudelte Weihnachtsmusik.

Und da standen wir dann, wir Kinder mit grossen Augen und voller Erwartung. Das Tuch wurde aber erst gelupft, wenn wir alle unsere schon seit Monaten geprobten Lieder vorgespielt hatten und alle Gedichte aufgesagt waren. Und dann, dann zog meine Omi die Decke vom Tisch und wir konnten es vor Freude kaum länger aushalten...

Diese Momente sind meine liebsten Weihnachtserinnerungen... Vielleicht, weil es diese Omi schon so lange nicht mehr gibt - ich sie aber nicht weniger vermisse, vielleicht aber auch, weil als Kind alles noch so leicht ist, so erwartungsfroh und auch ein bisschen magisch. 


Waren alle Geschenke ausgepackt und der Tisch wieder als Tisch erkennbar, gab es Kaffee und Plätzchen. Meine Omi bewahrte die kleinen Leckereien in grossen Kisten unter ihrem Bett auf, keiner durfte da ran.
Für die Grossen gab es Heringssalat, eine Leidenschaft, die ich heute teile, damals aber nicht verstand.

Auf den Plätzchentellern war aber immer schwarz-weiss Gebäck. Das Grundrezept ist das gleiche wie von den Butterplätzchen, nur wird eine Hälfte vom Teig mit 2 EL Kakao und ein bisschen Sahne dunkel gefärbt.


Beide Teighälften zu Kugeln formen und für 1 Stunde in den Kühlschrank geben. Anschliessend den Teig ausrollen. Beide Platten aufeinander legen und vorsichtig einrollen. Die Rolle nochmals für 1 Stunde in den Kühlschrank stellen.

Mit einem scharfen Messer je 4 mm dicke Scheiben schneiden, auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen und im 170 Grad vorgeheizten Ofen ca. 10 Minuten backen. Nach dem Abkühlen in Blechdosen verpacken und ab damit unters Bett.


Wenn wir übrigens mit dem Kaffee fertig waren, ging es weiter - die andere Omi wohnte nur gute 200 Meter entfernt. Hier wurden die Geschenke in einer grossen Korbkiste ins Wohnzimmer getragen... Und nach der Bescherung gab es Abendbrot.

Abends in der Christmette traf sich die ganze Familie in der Kirche, wo es ganz so wunderbar feierlich zuging.

Müde von der vielen Aufregung drapierten wir abends noch schnell alle Geschenke daheim unter dem Weihnachtsbaum, assen noch eine oder zwei leckere Apfelsinen (für die wir lange angestanden waren) und fielen zufrieden und glücklich ins Bett. Der erste Weihnachtsfeiertag gehörte unserer Familie und alle neuen Spielsachen durften nach Herzenslust ausprobiert werden.

Der zweite Weihnachtsfeiertag war immer der Geburtstag meiner Oma und so trafen wir uns wieder in der kleinen Stube, die ganze grosse Familie. Es war eng, es war laut, es war gesellig - es gab Eierlikör aus Schokoladenbechern - für mich als Kind waren es ganz wunderschöne Tage. Ich habe das alles sehr geliebt!

Heute ist es ruhiger, wir rennen nicht mehr von einem zum anderen, ich muss nicht mehr Monate lang Flöte üben, heute geniessen wir mehr die Ruhe. Und, es gibt keinen Eierlikör mehr aus Schokoladenbechern... DAS ist wirklich schade!!!!!

Ich wünsche allen (mir eingeschlossen), die heute ihren letzten Arbeitstag vorm Urlaub haben, dass der Tag schnell vergeht.

Alles Liebe,

Bea

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