Sonntag, 3. Mai 2015

Ein Wochenende im Elsass

Nun ist Ostern ja auch schon wieder eine Weile her und es wird wirklich Zeit, dass mein Elsass Reisebericht online geht. 

Am Karfreitag machten Herr G. und ich uns bei bestem Wetter auf nach Colmar. Wir hatten ein Wochenende im Elsass gebucht. 


Unser erstes Ziel, das Hotel Les Maraichers. Das Hotel liegt ungefähr 10 Gehminuten ausserhalb der historischen Altstadt von Colmar. Dieses Hotel ist nichts Besonderes, aber für einen Wochenendurlaub durchaus ok. Die Zimmer sind klein, aber alle neu renoviert und sehr sauber. Das Frühstücksbuffet muss man wirklich nicht buchen, die 9 Euro pro Person zusätzlich ist es nicht wert. Den Zimmerpreis von 90 Euro pro Nacht pro Zimmer fanden wir für Ostern echt ok. 


Gleich nach unserer Ankunft machten wir auf in die Innenstadt von Colmar. Unser erster Stopp die Patisserie Gilg, wo wir die weltbesten Macarons assen. Diese Farben, die tolle Konsistenz, der Geschmack - einfach einmalig. Wir beschlossen sogleich, am Sonntag noch welche mit nach Hause zu nehmen, was wir dann auch taten. Vorallem Frl G. war ganz entzückt...


Wir schlenderten also durch die Innenstadt, über den Frühlingsmarkt am Köifhus, guckten uns die Auslagen all der Buden an und genossen die Sonne. In dem wunderbar kleinen Café "Au Croissant Dore" machten wir halt und genossen einen grossen Cappuccino und eine selbstgebackene Apfeltarte. Hier hätte ich stundenlang sitzen können, die Leute flanierten draussen vorbei und es gab soviel zu gucken. Aber unser eigener Entdeckergeist trieb und wieder auf die Strasse.


Nächster Halt, das Museum Unterlinden. Das in einem Dominikanerkloster untergebrachte Museum beherbergt den Isenheimer Altar, der uns begeisterte. Unglaublich, diese wunderschönen Malereien und Intarsienarbeiten. Aber auch die Konstruktion des sich mehrfach wandelbaren Altars haben wir bewundert. Wäre es nicht so kalt gewesen, man hätte sich hier noch viel länger in die einzelnen Arbeiten vertiefen können.

Und schon kommen wir zu einem sehr zentralen Thema des Wochenendausfluges - die Kälte. Mal wieder sehr optimistisch gedacht, war ich nur mit dünner Jacke gereist. Sollte ich je wieder an Ostern innerhalb Europas verreisen, kommt eine Winterjacke ins Gepäck!!!!


Wir schlenderten noch ein wenig durch die bezaubernde Altstadt von Colmar und nahmen dann den Aperitif in der Brasserie L'Amandine. Es war voll, denn Viele suchten ein wenig Wärme in den umliegenden Café's, aber die Bedienung sehr freundlich und so blieben wir einen schlechten Wein lang, bevor wir uns auf die Suche nach einem Restaurant machten.

In Klein Venedig wurden wir schliesslich fündig und entdeckten ein kleines Restaurant, das tagsüber eine Metzgerei ist -  "Le Comptoir de Georges". Während Herrn G's Fleisch ein wenig wie eine Schuhsohle war, schmeckte mein Entrecote sensationell gut, ganz zart mit einer tollen Sosse. Die Bedienung war ein wenig ruppig, aber als wir uns bemühten unsere drei Brocken Französisch zum Einsatz zu bringen, hellte sich ihre Stimmung ein wenig auf.  


Der nächste Tag hielt, was schon der Abend versprochen hatte. Es regnete und es war bitter kalt. Daher besuchten wir zunächst den Markt in der Markthalle in Colmar. Die Markthalle ist nicht gross und man ist in 10 Minuten durchspaziert, doch macht es viel zu viel Spass die Leute zu beobachten und die wunderbaren Auslagen zu bestaunen. Man sollte also ein bisschen Zeit mitbringen. Für alle, die noch nichts im Magen hatten, boten einige kleine Stände leckeres Essen oder Gebäck feil.
Wir umrundeten die Stände ganze dreimal, bevor wir wieder in den unfreundlichen Tag tauchten.


Was machen bei so unwirtlichem Wetter? Wir beschlossen, uns ins Auto zu setzen und die Route de Chocolate abzufahren, zumindest einen Teil davon. Erster Halt - Kaysersberg. Dieses süsse, verträumte Städtchen hat mich fast noch mehr fasziniert als Colmar. Obwohl als Geburtsstadt von Albert Schweizer auch ein Tourismusmagnet, geht es hier doch sehr viel beschaulicher zu. Vielleicht lag es auch am Regen, aber es schlenderten weit weniger Touristen durch die Strassen als in der grossen Nachbarstadt.

In Kayersberg fanden wir dann auch die Patisserie Fortwenger, die wohl auch "Kähte Wohlfahrt" für Gebäck und anderen Kleinkram genannt werden können. Himmel, soviel unnützes Zeug habe ich schon lange nicht mehr auf einem Haufen gesehen. Wir waren auch recht schnell wieder raus aus dem Laden.



Wir fuhren weiter die Route de Chocolate entlang und genossen die wunderschönen kleinen mittelalterlichen Städtchen, die wir passierten. Wo es uns gefiel, hielten wir an, wenn es uns zu nass oder zu kalt wurde, fuhren wir weiter...


Bei der Chocolaterie Stoffel in Ribeauville hielten wir schliesslich noch mal an und kauften ein paar letzte Ostergeschenke und jede Menge Bruchschokolade, die sehr, sehr lecker ist war.


Als ich schliesslich meine Füsse nicht mehr spürte, mussten wir zurück ins Hotel und uns ein bisschen aufwärmen. Während dieser mehr oder weniger unfreiwilligen Pause, suchten wir ein Restaurant für den Abend. Das "Le Moreote" klang so, als ob es uns dort gefallen würde. Also schnell angerufen  und einen Tisch reserviert. (Einen Tisch zu reservieren, empfehle ich übrigens jedem, denn das Restaurant ist klein und, wie wir jetzt wissen, heiss begehrt.) Wir hatten Glück und ergatterten den letzten freien Tisch an dem Abend... Pünktlich um 19.30 Uhr standen wir wieder in Kaysersberg und wurden von der Besitzerin äusserst freundlich begrüsst. Der Service blieb den ganzen Abend wunderbar fürsorglich ohne aufdringlich zu sein. 


Das "Le Moreote" ist ein Juwel und gleich vorweggenommen, wir haben schon seit langer Zeit auswärts nicht mehr so gut gegessen. Und weil es so ein wunderschöner Abend war, bedarf es eines ausführlichen Berichts - ich hoffe, ihr sehr es mir nach.

Wir starteten mit einem Crémont mit Bergamot für Herr G. und einem Martini für mich. Zur Vorspeise bestellte ich Rührei mit Morscheln in Rahmsosse und Süsskartoffelchips - so ein einfaches Gericht, so ein unglaublicher Geschmack - hervorragend! Der Lieblingsmann hatte eine Art Bagel aus Eclairteig in dem Schnecken auf ihren Verzehr warteten - wunderbar.

Weiter ging es mit "Kaninchen trifft Garnele", das war der Name meines Menüs. Kaninchenrücken und Garnelen mit einer feinen Kräuterfarce eingeschlagen in einem zarten Filet mit Nudeln und Frühlingsgemüse. Es war fantastisch und wurde nur noch von Herrn G's Entrecote mit gebratener Foie Gras getoppt. Das Fleisch war butterzart und die Sosse muss ungefährt eine Woche eingekocht sein, sie war einfach nur der Hammer!!!!!

Ich konnte danach nur noch einen flüssigen Nachtisch zu mir nehmen in Form eines Marc d'Alcase Gewürztraminer von Metté.  Der Gatte genehmigte sich noch eine Variation der Schwarzwälder Kirschtorte, wie alles - super lecker!!!
Hier waren wir sicher nicht zum letzten Mal - eine absolute Empfehlung!

Am nächsten Morgen ging es dann von Colmar Richtung Strassbourgh. Das Wetter hatte aufgeklart und als wir in Strassbourgh ankamen, strahlte die Sonne von einem blauen Himmel. Wir hatten uns eine Nacht im "Hotel Cathedrale" eingemietet, zentraler kann man nicht wohnen.
Das Hotel ist in die Jahre gekommen, die Zimmer sind klein und dunkel, aber sauber. Das Frühstücksbuffet bekommt eine klare Empfehlung. Denn nicht nur hat man alles, was man braucht, man sitzt auch in einem gemütlich hergerichteten Raum mit direktem Blick auf die Kathedrale, während man seinen Kaffee schlürft. Für einen Städtetrip kann man das Hotel durchaus empfehlen.


Als erstes besuchten wir dann auch gleich die Kathedrale von Strassbourgh und erlebten dort auch gleich noch die Ostermesse. Beseelt und gesegnet schlenderten wir noch ein bisschen durch die Strassen und erfreuten uns an der Sonne.


Am frühen Nachmittag machten wir uns dann auf nach Kirrwiller zum "Royal Palace", eine echte Revue zu gucken. Und wenn ich sage "echte Revue", dann meine ich echte Revue - so richtig mit nackten Brüsten und Federboas, aber auch mit beeindruckenden Akrobaten und wunderschönen Tanzeinlagen. Wir waren entzückt und immer noch ein bisschen verwundert, dass man so etwas in der französischen Provinz mitten im Nirgendwo findet. Solltet ihr je dort in der Nähe sein, unbedingt angucken!

Wieder zurück in Strassbourgh und übermannt vom Hunger enterten wir die "Winstub Meiselocker". Nun, das Restaurant war voll, die Bedienung völlig überfordert, das Essen mittelmässig und wir nicht wirklich zufrieden... Daher werde ich es hierbei belassen.

Ein wenig schlenderten wir noch durch die Strassbourgher Nacht, machten einen kleinen Abstecher an die Hotelbar, hatten wunderbar lustige Gespräche mit ein paar Thüringern und fielen dann total müde in unsere Betten.

Der nächste Tag war nur noch Heimfahrt. Wir nahmen nicht die Autobahn, sondern tuckerten ganz gemütlich an der Weinstrasse entlang - eine ganz wunderschöne Tour.

Das Elsass ist immer eine Reise wert, kulturell und kulinarisch. Auch wenn es kalt und nass war, so haben wir die Tage dort sehr genossen und kommen sicher wieder.

Habt es schön und falls ihr noch ein paar Insider vom Elsass auf Lager habt, nur her damit... Freue mich über jeden Tipp!

Alles Liebe,

Bea


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